Gedankendiät oder „Ich diskutiere nicht mit mir!“

Das ist ja wirklich gut zu verstehen: Bevor wir eine Entscheidung treffen, müssen wir natürlich alle Umstände durchdenken, die Für und Wider abwägen, priorisieren, Rat einholen, mit Freunden besprechen, einen Experten befragen, ein Buch darüber lesen, einen Internetblog durchforsten, nochmal drüber schlafen (oder deswegen einfach nicht schlafen können), mehrere Stadien mulmiger Gefühle durchleben, diese analysieren, einen Therapeuten aufsuchen, alte Leben klären, unbewusste Mechanismen aufdecken, die neue Lage nach der Bearbeitung wahrnehmen, die Für und Wider unter den neuen Aspekten neu beleuchten, noch mal priorisieren…   Hm. 

Kommt Ihnen das bekannt vor? 

Vor langen Jahren habe ich mal eine Sendung „Wetten dass…?“ gesehen, in der Thomas Gottschalk Karl Lagerfeld interviewt hat. Gottschalk fragte Lagerfeld: „Herr Lagerfeld, sagen Sie mir, warum, glauben Sie, sind Sie so erfolgreich?“ Karl Lagerfeld wedelte einen Moment mit seinem Fächer und antwortete dann: „Herr Gottschalk, wissen Sie, ich diskutiere nicht mit mir!“

ICH DISKUTIERE NICHT MIT MIR!

Plötzlich war mein Geist hellwach: Was hat er da gerade gesagt? Ich diskutiere nicht mit mir? 

Na klar!

Wie viel Energie geben wir manchmal in diese endlosen inneren Selbstgespräche, die eine Umsetzung einer wirklich guten Idee hinauszögern, verwässern, die Begeisterung kaputt reden, Gefühle verunklaren, alles noch mal rum und rumdrehen, um am Ende, vor lauter innerer geistiger Müdigkeit, erschöpft und schulterzuckend auf einer Couch zu landen. 

Wohlbemerkt: ich meine an dieser Stelle nicht konstruktive Gedanken, die sich auf das Wie-kann-es-funktionieren und Wer-kann-mich-unterstützen oder Was-muss-ich-klären beziehen, sondern die anderen Gedanken, die sich in end- und freudlosen Was-wäre-wenn-Spiralen wort- und bilderreich in unserem System herumdrehen, ohne uns nennenswerte Erkenntnisse zu liefern. Gedanken, die sich im Gegenteil so lange in unserer Kopf-, Bauch- und Herzwelt herumtreiben, bis auch der letzte Funken Aufbruchsfreude in uns erloschen ist und sich eine bittersüße caramelsoßige Nutzlosigkeit in uns breitgemacht hat, die uns völlig erschöpft zurücksinken lässt. 

Und das wirklich perfide daran ist: eine solche innere Haltung kann zur Gewohnheit werden, zum Automatismus, zur Sucht.
Und dann geht schleichend immer weniger im täglichen Leben, Organisatorisches wird verschoben, einfache tägliche Aufgaben nicht erledigt, Anrufe vertagt. Denn der innere Prozess nimmt, und das tut er wirklich, sehr viel Raum ein und kostet einfach Kraft. 

Also, was tun?

Ich empfehle Gedankendiät.

Wann immer Sie sich dabei erwischen, dass Sie zum xten Mal eine Sache analysieren: STOPP! (Und ein inneres Hurra, ich hab’s gemerkt!)

Keine ermüdenden Gedanken und Grüblereien über dieses Thema mehr! Unterbrechen Sie sich und tun Sie etwas. Tun Sie in genau diesem Augenblick etwas Schönes, dass sie aus diesen Gedanken herausbringt. Das können kleine Dinge sein wie etwa einen Tee kochen, auf den Balkon gehen und durchatmen, einen Hundespaziergang machen, einen Blick auf ein schönes Bild werfen. Kreieren Sie sich selbst Ihren persönlichen Gedankendiät-Anker. 

Und dann: Tun Sie mutig und proaktiv etwas, das der Sache und Ihnen selbst dient und Ihrem augenblicklichen Erkenntnisstand entspricht. Gehen Sie einen Schritt vorwärts, erledigen Sie ein Detail, räumen Sie etwas auf, schicken Sie etwas ab.
Und: Keine Angst vor Fehlern, damit sind Sie unter den berühmtesten Menschen dieser Erde in guter Gesellschaft.

„Der Unterschied zwischen einem Meister und einem Schüler ist,
dass der Meister schon öfter gescheitert ist,
als es der Schüler je versucht hat.“

Yoda

Machen Sie los, natürlich machen Sie auch Fehler, aber eben auch und nicht nur.  
Entwickeln Sie eine Fehlerkultur, einen lustvollen Try-and-Error-Mechanismus, denn wer nichts tut, macht auch keine Fehler!
Aber wer etwas tut macht Erfahrungen und das ist doch wunderbar!

Also: Sollten Sie beginnen, sich zum wiederholten Male im Gedankenkarussel zu drehen, steigen Sie aus. Vergeuden Sie nicht Ihre Energie. Tun Sie etwas Schönes, um aus dem inneren Sog herauszukommen und danach etwas, das Ihnen und der Sache dient und Sie einen Schritt vorwärts trägt.

Und dann kommt der Erfolg. Denn Erfolg ist immer das, was erfolgt.
Erfolg per se ist völlig neutral und immer das Ergebnis Ihrer Handlungen, aber bisweilen nicht ohne Spaß.

Übrigens: Karl Lagerfeld hat zu dem Zeitpunkt seines Interviews damals 8 Kollektionen pro Jahr kreiert. 

Was für eine Energieeffizienz mit der eigenen Gedankenkraft!

Angelika 

 

 

 

 

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