Das Gurkenglas-Phänomen

Den Deckel eines Gurkenglases aufzubekommen kann manchmal die Aufgabe einer ganzen „Schrauberreihe“ sein. Das kennen wir alle! Zuerst versucht es die Mutter, dann die Tochter, dann der Sohn… bis am Ende (natürlich immer am Ende, weil es dann ja offen ist) der Vater („Du kannst das!“) endlich den Deckel aufmacht. „PLOPP!“ Und ein Aufatmen geht durch die Runde. Das Gurkenglas ist offen, der Letzte hat es geschafft, all die Versuche der Schrauber vorher, die den Deckel unmerkliche Millimeter weit vorschoben, werden als nutzlos angesehen. Aber der Letzte, natürlich immer der Letzte, ist der Held, der es geschafft hat. 

Ich versichere Ihnen, im Leben ist es genauso: Mütter und Väter kennen das, sie reden jahrelang mit ihren Kindern, geben auf verschiedenste Arten Lebensinformationen weiter, die von den geliebten Sprößlingen mehr oder weniger  offensichtlich ignoriert werden. Kommt aber eines Tages irgendein gleichgearteter Impuls von anderer Seite (ein Lehrer, ein Buch, ein Freund) und der Jugendliche verkündet plötzlich („Mama, Herr Sowieso hat gesagt, ich soll es mal so probieren…“) den Impuls endlich umzusetzen, entsteht in den Eltern das schale Gefühl des frustriert nutzlosen „Da redet man jahrelang…“.   Herr Sowieso ist der Held. PLOPP!

Na? Bekannt?

Mit einem Schmunzel können wir jetzt in den Spiegel schauen: Ich versichere Ihnen, in diesem Punkt sind wir alle ähnlich. Wie oft haben uns gute Freunde, Eltern, spirituelle Lehrer oder Therapeuten auf bestimmte Umstände oder psychoemotionale Muster aufmerksam gemacht, bis wir endlich, im richtigen Moment in der richtigen Sprache den passenden Impuls auch wirklich annehmen und umsetzen konnten. PLOPP!

Das Schöne ist tatsächlich, das wird uns als Freunde, Ehepartner und Eltern freuen, dass keiner der Impulse, die wir geben, verloren ist und auch im umgekehrten Fall, keiner der Impulse, die wir bekommen jemals verloren geht. Unsere Seele speichert sie und macht minimale kleine, unmerkliche Erkenntnisschritte.

Wir schieben uns gegenseitig einfach alle unmerklich, Millimeter für Millimeter, den Deckel auf. 

Betrachten wir diesen Prozess als frequenzielles Ereignis, geben oder erhalten wir in einem bestimmten Entwicklungszyklus immer wieder evolutorische Impulse, die irgendwann akkumulieren, und dann, mit dem letzten Impuls von außen oder von innen, alle zusammen stark genug sind, eine Umsetzung erst möglich zu machen. PLOPP! Und dann kommt das Aufatmen, das Wohlgefühl,  das mit dem Auf-die-Erde-Bringen, der Wende einhergeht. 

Also, was „lernt uns“ das jetzt? 

Zuerst einmal Geduld:
Gehen wir mit den weisen Alten, sagen diese: „Jedes Ding hat seine Zeit!“. Wollte ich nie glauben, scheint aber so zu sein, wirklich. Kein Druck, kein „Du musst doch…!“, sondern schlichtes Da-Sein, dabeibleiben und abwarten. 

Dann Gewissheit:
Nichts im Leben geht verloren, jeder Impuls, den wir geben oder erhalten, jede Wahrheit, die wir sprechen, geht ins Feld und entfaltet Wirkung, früher oder später. Ist das nicht wundervoll?

Und auch Beharrlichkeit:
Dranbleiben, liebevoll mit sich selbst und allen anderen, zart und klar. Und wenn es angebracht ist, immer wieder Impulse setzen und für uns selbst Impulse immer wieder wahrnehmen und hereinlassen. 

Und wenn es dann PLOPP! macht?

Freude! Denn das Letzte, was wir hören wollen, wenn wir beginnen etwas umzusetzen, ist ein neunmalkluges Das-hab-ich-ja-schon-immer-gesagt von einem nahen Menschen.  Es war einfach so weit, alle haben geholfen, auch derjenige, der jetzt den Deckel den so entscheidenden Millimeter vorschob. Wunderbar! Herzensjubel!

Und Dankbarkeit! Danke allen Impulsgebern, allen, die uns aufmerksam gemacht haben, durch ihr Verhalten oder durch das gesprochene Wort. Sie alle hatten oder haben noch Anteil an unserer Entwicklung. Danke!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen immer wieder ein herzhaftes PLOPP!

Und viel Freude dabei!

Angelika 

 

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